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Lokales DB
29.07.10 16:39 Uhr

Time to say goodbye

Von: GISA SPANDLER

Geschenke gehörten selbstverständlich zur Verabschiedung: Vom Kollegium gab es für die Gartenarbeit einen Rasentrimmer mit Ohrenschutz für den Schulleiter. Rechts der stellvertretende Schulleiter Dr. Martin Braun, links Erich Walke aus dem Direktorat.

ALTDORF – Wenn 13 Grußworte plus einige weitere Programmpunkte zur Verabschiedung eines Mitglieds der Leibniz-Schulfamilie angesetzt sind, dann wird wohl eine bedeutende Persönlichkeit in den Ruhestand gehen: Gestern war es kein geringerer als der Schulleiter Karlheinz Graß, der seinen letzten „Schultag“ nach über 13 Jahren an der Altdorfer Einrichtung absolvierte. Grund für Kollegen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, mit denen er im Laufe seiner Karriere zu tun hatte, den Scheidenden zu würdigen und - was aus jedem einzelnen Grußwort hervorging – ihm Dank, Anerkennung und Hochachtung auszusprechen. Denn Karlheinz Graß war ein Direktor, der sich durch Menschlichkeit und Güte auszeichnete, wie es Gisela Schnappauf für den Personalrat in ihrer Ansprache betonte.
Ein großer Beamer über der Aula zeigte das neue Leibniz-Logo zur Verabschiedung: Der lockige Leibniz mit dem Gesicht des Noch-Schulleiters. Moderiert wurde der Redemarathon professionell von Elfie Kuhn und Erich Walke aus dem Direktorat, die auch die Begrüßung der Ehrengäste übernahmen.
Joachim Leisgang, der Ministerialbeauftragte für die mittelfränkischen Gymnasien hielt einen Rückblick auf die berufliche Laufbahn des scheidenden Direktors, der nach seinem Mathematik- und Physikstudium vom Nürnberger Dürer-Gymasium nach Schwabach wechselte, sich aber bald wieder zum Dürer zurück meldete. Dass es sich um einen überdurchschnittlich engagierten Pädagogen handelte, verdeutlichte er an Hand der zahlreichen zusätzlichen Engagements des Lehrers schon in jungen Jahren - Förderung des Schüler-Austauschs, Zweitprüfer beim Staatsexamen, Interesse für Schüler mit Migrationshintergrund. Als er im Februar 1997 an das Leibniz-Gymnasium, die große Schule mit dem klaren Profil, versetzt wurde, kam eine weitere Aufgabe dazu: „Auch die Integration von körperbehinderten Schülern hier in Altdorf war Ihnen ein großes Anliegen“, so Leisgang.
Im folgenden zitierte er aus dem ersten Jahresbericht am Leibniz, in dem sich der damals neue Schulleiter äußerte. Daraus geht unter anderem hervor, dass Graß vor allem die  gute Ausbildung junger  Lehrer und das harmonische Miteinander von Schülern, Lehrern und Eltern wichtig war, dass er sich eine lebendige Schule und keine Lernfabrik gewünscht habe, ein Ziel, das er nach Kräften durchgesetzt habe. Gleichwohl sei dies in den Jahren seines Wirkens in Altdorf nicht immer leicht gewesen, wenn man an die zahlreichen Veränderungen von außen und innen denke, die in seine Amtszeit fielen. Doch auch die Widrigkeiten habe er souverän gemeistert und könne stolz sein auf das, was er an der Schule geleistet hat. Abschließend überreichte er dem Direktor die Entlassurkunde des Kultusministers.
Ruck durchs Leibniz?
Landrat Armin Kroder bezog sich auf die so genannte „Ruck-Rede“ des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog, die im April 1997 gehalten wurde.
Die sei so machtvoll gewesen, dass sie schon wirkte, bevor sie gehalten wurde, denn Graß sei bereits im Februar ans Leibniz gekommen und schon da ging ein Ruck durch die Schule, schmunzelte er. Kurz referierte er über den Sinn und die Ziele von Bildung und stellte heraus, dass sie unabhängig von Herkunft oder sozialer Schicht allen zugänglich sein müsse. An jener Stelle, an der er ausführte, dass eine gute Ausbildung zu allererst durch mehr Lehrer und kleinere Klassen zu erreichen sei, erhielt er spontanen Applaus, schließlich saß ein Großteil des Kollegiums im Publikum.
Abschließend brach er noch eine Lanze für den Lehrerberuf, der von außen gesehen oft unterschätzt werde. Wie alle anderen Grußredner dankte er Graß für die stets faire und offene Zusammenarbeit und wünschte ihm für die Zukunft alles Gute.
Viel bewegt
Bürgermeister Erich Odörfer bestätigte der Hautperson des Festakts, dass sie viel bewegt habe in ihrer Ägide am Leibniz. Zahlreiche Berührungspunkte mit der Stadt habe es natürlich gegeben, und die seien immer positiv verlaufen, vor allem die Schulpartnerschaften. Besonders der neue Austausch mit China sei ein Verdienst des Schulleiters. „Sie haben sich stets für die Weiterentwicklung der Schule stark gemacht, dabei gab es in Ihrer Ära so vieles zu meistern“, erinnerte sich Odörfer und dachte dabei an Pisa und immer neue Lehrpläne.
Dekan Albert Börschlein sprach für die katholische Kirchengemeinde Worte des Dankes. Dasselbe tat der evangelische Dekan Jörg Breu, der auf humorvolle Weise viele neue Ideen für den Ruhestand wünschte.
Rektor Peter Vogel von der Grundschule Altdorf sprach für die umliegenden Schulen, die von der harmonischen Zusammenarbeit und dem problemlosen Miteinander mit dem Leibniz-Direktor profitierten. Nicht nur für die Grundschulen, die Schüler an das Leibniz abgeben, hielt er sein Grußwort, auch für das Wichernhaus, die Förderschule und die Hauptschule, die ebenfalls die Graßschen Stärken Verantwortungsbewusstsein, Diplomatie, Gerechtigkeitssinn und Humor erfahren durften.
Launig und emotional
Eine launige und emotionale Rede hielt auch Heinz Baiersdorfer, ehemaliger Studiendirektor am Leibniz und nun Schulleiter des Gymnasiums in Oberasbach. „Als Seminarleiter für Englisch genoss ich unter dir große Freiheit und durfte mich elektronisch verwirklichen“, betonte er. Er habe von Graß das Schulleiterhandwerk gelernt, meinte er und „Was du für mich getan hast, ist nicht mit Gold aufzuwiegen“. Das tat er dann doch, indem er dem ehemaligen Chef einen vergoldeten 32-Gigabyte-Stick zum Abschied schenkte.
Sachlich, humorvoll und sehr persönlich gestaltete der stellvertretende Schulleiter Dr. Martin Braun seine Ansprache, die die Funktion des Scheidenden eher aus der Innenperspektive der Schule schilderte. Die Arbeit eines Schulleiters sei wie die einer Holzzwinge - er hatte ein solches Exemplar als Anschauungsmaterial dabei -, man füge mit sanftem, aber beständigem Druck zusammen, allerdings ohne Gewalt. So würden Dinge bzw. Schüler in Form und Funktion gebracht, ohne „Schrauben oder Bohrer“. Außerdem habe Graß nie die Bodenhaftung verloren, alle Mitarbeiter gekannt. „Mit sicherem Augenmaß, großem Sachverstand, viel Fingerspitzengefühl und enormem Arbeitseinsatz behieltst du die Geschicke und Entwicklungspotenziale des Leibniz-Gymnasiums im Auge.“ Es sei ein Segen gewesen, dass der Kollege trotz der oft unangenehmen Entscheidungen nichts von seiner Offenheit, seinem Ideenreichtum und seinem trockenen Humor eingebüßt habe. Eine Liste von hervorragenden Qualitäten, die er seinem Chef zuschrieb, führte er im Anschluss an: Miteinander, Kooperation, Integration, Inklusion, Weltoffenheit und Beweglichkeit.
Ein Meilenstein in der Geschichte der Schule sei auch die Etablierung des Studienseminars gewesen.
Eine weitere Besonderheit sei die gute mediale Ausstattung der Schule und die rechtzeitige Nutzung der Sponsoring-Möglichkeiten durch die Firma Siemens gewesen, was bewies, dass man die Zeichen der Zeit erkannt hatte. Doch auch die dunklen Zeiten sparte der stellvertretende Schulleiter nicht aus: tragische Todesfälle von Schülern, Lehrern, Suizide. Doch auch in Krisen habe Graß stets ein überzeugendes menschliches Vorbild für alle geliefert. Abschließend dankte er für die „menschliche und freundschaftliche Art, die Schule zu leiten“.
Weitere Grußworte gab es von der SMV, dem Elternbeirat, dem Förderverein und den Verwaltungsmitarbeiterinnen.
Literarische Anleihen nahm Gisela Schnappauf für den Personalrat. Sie suchte nach Schulleiter-Charakteren aus der Welt des Films oder der Bücher und schloss von diesen auf die Qualitäten eines Schuldirektors allgemein. „Sie, Herr Graß, besitzen all diese Qualitäten und wussten wohl, was auf Sie zukam, bevor Sie Ihren Posten antraten.“  An Albus Dumbledore aus Harry Potter komme Graß allerdings nicht heran... Dennoch versprach sie abschließend: „Wir als Kolleginnen und Kollegen werden Sie vermissen und Ihnen in der Ahnengalerie der Leibniz-Ruhmeshalle gern einen Sonnenplatz zuweisen.“
Der letzte Redebeitrag war selbstverständlich dem künftigen Ruheständler vorbehalten, der noch einmal kurz auf seine Zeit in Altdorf einging und auch auf frustige Erlebnisse von innen und außen hinwies.
Allerdings dankte er anschließend ausführlich der SMV und dem Elternbeirat für die Zusammenarbeit und fragte sich abschließend, warum er denn nicht schon früher in Pension gegangen sei. Dann hätte er all die schönen Lobesworte und glanzvollen Reden schon eher erfahren: „Beinahe hätte ich sie geglaubt“, resümierte er.

Die Grußworte wurden durch die hervorragende Bigband - unter anderem natürlich mit „Time to say goodbye“ - unter Leitung von Carola Hutfleß, die geschickten Devil Sticks vom Circus Chaotini, die musikalische 8f und den Lehrerchor aufgelockert und künstlerisch umrahmt.




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