Die neue Chronik für Feucht nimmt Gestalt an

Es ist ein beispielhaftes ehrenamtliches Engagement, das die Mitglieder des Arbeitskreises Feuchter Chronik (AKC) leisten: Schon seit mehr als zehn Jahren suchen sie nach Material über die Geschichte des Marktes Feucht. Das langfristige Etappenziel: ein neues Buch über die Ortsgeschichte, in dem auch das 19. und 20. Jahrhundert einen angemessenen Platz erhalten. Dieses Ziel rückt derzeit immer näher. Voraussichtlich im Herbst 2011 wird die aktuelle Chronik erscheinen.
FEUCHT – Die AKC-Mitglieder sammeln Presseartikel, Fotos und Dokumente. Sie durchforsten Archive der Kirchengemeinden und der örtlichen Tageszeitung. Andere interviewen Zeitzeugen, die ein facettenreiches Bild vom Leben in Feucht in den letzten Jahrzehnten entstehen lassen.
„Immer wieder kommen neue Leute dazu, vor allem wenn sie den Ruhestand angetreten haben“, erzählt die geschäftsleitende Beamtin Marion Buchta, die in der Feuchter Verwaltung Ansprechpartnerin für den AKC ist. „Sie kommen aus unterschiedlichen Bereichen und setzen daher verschiedene Schwerpunkte.“ So recherchiert ein ehemaliger Rektor über das Schulwesen, ein anderer kümmert sich um die Brauereien, die es einst in Feucht gab. Der ehemalige geschäftsleitende Beamte, Bernd Beran, übersetzt die alte Schrift der Protokolle im Gemeindearchiv, das seit dem Jahr 1850 lückenlos vorliegt.
Neben „klassischen“ Themen einer Ortshistorie wie der Geschichte der Grundherrschaften im Heiligen Römischen Reich oder der Kirchengeschichte werden auch Gebiete wie der Ausbau der Verkehrswege (Ludwigskanal, Eisenbahn, Autobahn), die Entwicklung der Gewerbebetriebe und die politischen Ereignisse des 19. und 20. Jahrhunderts aufgegriffen. Wer weiß noch, dass es in Feucht seit der Weimarer Republik eine starke Arbeiterbewegung gab, die sich mit der örtlichen NSDAP-Gruppe auch mal handfeste Auseinandersetzungen lieferte? Hilfreich sind die vielen Berichte von Zeitzeugen, die dabei berücksichtigt werden. Mit ihren Schilderungen entsteht ein anschauliches Bild zum Beispiel von der Arbeitswelt in der Landwirtschaft oder einer Fabrik oder auch von der Integration von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Wichtig für eine moderne Ortsgeschichte ist zudem eine anschauliche Bebilderung. Unzählige Fotos und Postkarten haben die AKC-Mitglieder mittlerweile zusammengetragen. Sie wurden bereits bei mehreren Ausstellungen präsentiert und stießen auf großes Interesse der Bevölkerung.
Um die Ortschronik nun zusammenzustellen, hat der Markt Feucht den Historiker Martin Schieber vom Verein „Geschichte für alle“ beauftragt. Unter seiner professionellen Führung soll das Buch im nächsten Jahr erscheinen.
Er hat bereits mehrere historische Forschungsprojekte in der Umgebung betreut und Chroniken verfasst, so über Rednitzhembach, Rohr und Ottensoos, anlässlich des 1100-jährigen Bestehens dieser Gemeinde im Jahr 2003. So wurde der AKC auf ihn aufmerksam. Der Marktgemeinderat segnete die Kooperation und die Erstellung des Buches ab.
Üblicherweise arbeitet Schieber mehrere Jahre an einer solchen Chronik. In Feucht rechnet er mit lediglich eineinhalb Jahren. „Der AKC hat bereits sehr viel an Material gesammelt und die zeitaufwändige Fotorecherchen und die Zeitzeugenbefragung übernommen“, lobt der Historiker die gelungene Vorarbeit der Ehrenamtlichen. Eher ungewöhnlich sei auch die starke Unterstützung des Marktes Feucht für den AKC. Die Mitglieder bekämen damit den Rücken gestärkt.
Schieber kommt seit einem Jahr nicht nur zu den regelmäßigen Sitzungen des Arbeitskreises im Rathaus und bietet den dort engagierten Bürgern auch Sprechstunden an, bei denen sie ihr Material mit ihm besprechen. Er betreibt auch selbst Forschungen, zum Beispiel im Staatsarchiv in Nürnberg und in Bibliotheken der Region. Er wertet Unterlagen des ehemaligen Landratsamtes Altdorf und der Regierung von Mittelfranken aus. Erst seit zwei Jahren sind Entnazifierungsakten einsehbar. Sie liefern neue Erkenntnisse auch für die Geschehnisse in Feucht während der Nazi-Zeit.
AKC-Mitglieder verfassen teilweise selbst die Texte für die Ortsgeschichte oder liefern Martin Schieber Material für seine Berichte. „So soll eine lebendige Chronik entstehen, die die Lebensumstände der Menschen in Feucht deutlich werden lässt“, kündigt der Historiker an.
Für dieses Werk engagieren sich die Mitglieder seit der Gründung des AKCs. Der frühere Marktgemeinderat Uwe Güntner gab den Anstoß für den Arbeitskreis. Er stellte fest, dass es mit dem Buch von Dr. Wilhelm Schwemmer zwar Informationen aus früheren Jahrhunderten über Feucht gibt, von der neuesten Geschichte sei aber kaum etwas festgehalten. Über unsere Zeitung startete die Gemeinde schließlich einen Aufruf, dem gleich einige folgten. Zehn bis 15 Personen zeigten von Beginn an Interesse am AKC.
Inzwischen kommen zu den Sitzungen 35 bis 40 Leute, berichtet Marion Buchta. Neuzugänge sind jederzeit willkommen. „Es sind noch viele Bereiche abzuarbeiten.“ Interessenten können einfach zum nächsten Treffen am 5. Oktober um 17 Uhr ins Rathaus kommen oder sich mit der geschäftsleitenden Beamtin in Verbindung setzen.
Im Laufe der Jahre stießen immer wieder weitere Ehrenamtliche dazu. Oft kamen sie nach Gesprächen mit dem 1. Bürgermeister Konrad Rupprecht bei „Altengeburtstagen“, über die Ausstellungen oder durch Kontakt mit anderen Mitgliedern zum AKC. „Alle sind mit großer Begeisterung dabei. Leider wirken nur wenige Frauen mit, und Moosbach ist sehr schlecht vertreten“, bedauert Rupprecht und hofft aus diesen Bereichen auf Verstärkung.
Bereits jetzt werden aktuelle Veröffentlichungen der Gemeinde gesammelt, auf die man bei einer Fortsetzung der Ortsgeschichte dann zurückgreifen kann. Zuletzt zeigte sich anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit Leutschach, die heuer gefeiert wurde, wie schwer es ist, im Nachhinein an Informationen und Material heranzukommen, weiß Buchta.
Auch sie würdigt die Leistungen der AKC-Mitglieder. „Die Gemeinde wäre nicht in der Lage, diese Recherche-Arbeit zu leisten.“ Martin Schieber binde die Ehrenamtlichen hervorragend mit ein, so dass man bald gemeinsam ein spannendes Werk präsentieren kann. „Viel wurde im AKC im Verborgenen gearbeitet“, so Buchta. In naher Zukunft wird die interessierte Öffentlichkeit davon profitieren. MARTINA RÜSING


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