Rascher Bühnen-Sitzungen begeistern
RASCH – Was macht der Gemeinderat von Girglreut anders als die anderen Kommunalparlamente? Während die „unter sich“ streiten und diskutieren haben die Girglreuter, was das Zuhörer- und Zuschauerinteresse betrifft, Hochkonjunktur. Fünf Sitzungen waren schon vor der Premiere ausgebucht, in einer „Sondersitzung“ am 24. April sind noch einige Plätze frei. Aber schnell muss man sein, sonst sind auch diese Platzkarten weg, die man nur unter der Nummer 09187/6738 ergattern kann.
Nun, Girglreut ist fiktiv und der Gemeinderat - ein Haufen von Spitzbuam – rekrutiert sich aus den Darstellern der Theatergruppe des SV Rasch, die auch in diesem Jahr mit der bäuerlichen Groteske in drei Akten von Franz Schaurer wieder ins Schwarze getroffen haben. Irgendwie meint man Girglreut ist Rasch und die, die im Gemeinderat sitzen, könnten die Rolle, in die sie schlüpfen, auch im richtigen Leben ausfüllen. Und ob es nun der Altdorfer Bürgermeister Erich Odörfer, oder der Lauterhofener Peter Braun oder der Landtagsabgeordnete Kurt Eckstein oder mancher Altdorfer Stadt- und Kreisrat war, sie mussten unumwunden zugeben, Girglreut bleibt unerreicht.
Da wird ihnen vor Augen geführt, dass in diesem Gremium die Stimme einer Frau allein mehr zählt als die der Männer, denn der Bürgermeister und der Wachtmeister verehren die Walli heiß und inniglich. Und das ärgert den Jüngsten in der Runde, der eigentlich die Walli liebt, gewaltig. Geradezu wütend ist der Zankl, dass „seine“ Walli sich von den „alten Draufgängern“ so hofieren lässt. Das zeigt er ziemlich deutlich, durch rüpelhaftes Benehmen und ständigen Widerspruch. Von den anderen tanzt nur einer aus der Reihe, der Xaverl, der immer für eine Gaudi zu haben ist. Was aber den wiederum gewaltig ärgert ist die Tatsache, dass ihm die anderen sein Alter vorwerfen. Aber er rächt sich auf seine Art.
Girglreut hat sich nämlich auf Wallis Vorschlag hin dazu entschlossen, am Dorfschönheitswettbewerb teilzunehmen.
Und nach einer turbulenten Sitzung in des Bürgermeisters Wohnstube laufen die Vorbereitungen auf vollen Touren. Doch nach einer Woche breitet sich dort, wo man eigentlich Blumen pflanzte, Gras aus, so dicht wie ein Teppich.
Nur wer steckt dahinter? Um den Spitzbuam zu fangen, plant man einen abendlichen Patrouillengang. Xaverls Freude, dass er alle durch seinen Einfall in Aufregung versetzt hat, wird gewaltig geschmälert, denn der Streit im Gemeinderat geht nur darum, wer mit der Walli unterwegs sein darf, der Bürgermeister oder der Wachtmeister. Und während jeder seine Rechte geltend macht, handelt der Xaverl und schickt an besagtem Abend den Zankl mit der Walli los.
Und der Xaverl selbst hat eine diebische Freude daran, mit seiner Traudl, die von dem alten Schlawiner immer noch begeistert ist, immer neue Pläne auszuhecken, um den Leuten eine Freud zu machen. Da läuft er zur Hochform auf: endlich spielt auch er im Gemeinderat wieder eine wichtige Rolle.
Und in dieser Rolle läuft Eckhard Kolb zur Hochform auf, unschlagbar mit einem weiteren As der Truppe, Anneliese Wahler als seine Frau.
Da haben der Bürgermeister (Kurt Kühnlein) und der Wachtmeister (Reinhold Hirschmann) nicht nur einmal das Nachsehen. Alexandra Bogner als Walli und Markus Götz als Zankl machen den Gemeinderat auf der Spitzbuamjagd komplett. Und Urgestein Kurt Hirschmann darf bei diesem Stück pausieren. Dafür debütiert gekonnt Sohn Michael als Gärtner Bruno, der in jeder Beziehung vom Schönheitswettbewerb profitiert, geschäftlich und privat. Mit des Bürgermeisters Töchterlein Liesel (Christina Bloß) gibt’s nach allerlei Turbulenzen letztlich ein Happy-End.
Theaterspielen liegt der Truppe um Kurt Kühnlein im Blut, das weiß die große Fangemeinde, die auch in diesem Jahr restlos begeistert war. Blumen und Wein gab es nach den Vorstellungen nicht nur für die Akteure auf der Bühne, sondern auch für die darunter (Souffleuse Hannelore Schrödel) und dahinter (Bühnenbild Erhard Frank, Masken Belinda Fiorito). Für die Regie zeichnete auch heuer der Motor des Ganzen, Kurt Kühnlein, verantwortlich. Weil in Rasch nach dem Theater vor dem Theater ist darf man gespannt sein, was nach der Spitzbuamjagd 2011 auf die Bühne kommt.



Anmerkung hinzufügen