Genießbar oder giftig?
SCHNAITTACH - „Kann ich diese Pilze essen?“ Diese Frage hört Horst Schmidt während der Pilzsaison von April bis Oktober des Öfteren. Seit 27 Jahren arbeitet der Schnaittacher ehrenamtlich als Pilzberater bei der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg und gibt Pilzfreunden wertvolle Tipps zum Sammeln.
Was macht eigentlich einen Pilzberater aus?
Horst Schmidt: Wir sind natürlich vor allem dazu da, unerfahrene Sammler vor giftigen Sorten zu schützen. Ich weise aber auch darauf hin, geschützte Arten wie beispielsweise den Elfenbeinröhrling nicht zu sammeln. Außerdem gibt es Pilze, die zwar essbar, aber nicht schmackhaft sind. Auch dabei beraten wir die Sammler gerne.
Sie müssen täglich die verschiedensten Pilze voneinander unterscheiden und haben so manchen Sammler schon vor Vergiftungen geschützt.
Das ist richtig. Ich hatte schon einen Fall, bei dem ich in einem Korb voller essbarer Pilze einen giftigen Knollenblätterpilz gefunden habe. Der Sammler musste dann leider den gesamten Inhalt entsorgen, weil der Pilz möglicherweise seine Sporen schon auf den Rest verteilt hatte. Am Anfang rate ich den Pilzsammlern, nur nach drei verschiedenen Pilzarten zu suchen, um sich die Sorten nach und nach zu merken. So habe ich das auch gelernt.
Es heißt, dass man bereits zubereitete Pilze nicht noch einmal erwärmen sollte. Stimmt das?
Grundsätzlich ist der Genuss von einmal aufgewärmten Pilzgerichten unbedenklich, solange sie dazwischen gut gekühlt oder eingefroren waren. Ein weiteres Mal sollte man sie allerdings nicht erhitzen, weil die Pilze dann ungenießbar werden. Bei gekauften Pilzen sollten die Leute außerdem darauf achten, dass sie eine schöne Form, helle Lamellen und einen frischen Anschnitt haben. Sind zum Beispiel Champignons am Anschnitt braun verfärbt, sollte man sie lieber nicht mehr kaufen.
Worauf ist beim Pilze suchen besonders zu achten?
Wichtig ist vor allem, zum Sammeln einen Korb, keinesfalls eine Plastiktüte zu verwenden, da die Pilze darin schwitzen. Wenn in Büchern zu lesen ist „essbar“, dann gilt das nur für erhitzte Schwammerl. Viele Pilze sind roh giftig! Außerdem ist in unserer Gegend der Fuchsbandwurm weit verbreitet, deshalb ist eine Geschmacksprobe von frischen Pilzen zu vermeiden. Diese Saison eignet sich besonders gut zum Sammeln. Feuchtigkeit und Wärme begünstigen den Pilzwuchs, deshalb haben sich die Schwammerl heuer explosionsartig vermehrt.
Bei so viel Auswahl: Welchen Pilz mögen Sie am liebsten?
Sie werden lachen, ich esse relativ wenig Pilze. Zu Saisonbeginn freue ich mich immer sehr auf ein leckeres Mischpilzgericht mit Semmelknödel, außerdem trockne ich gerne Stockschwämmchen, Steinpilze und Morcheln. Den größten Spaß macht mir aber das Sammeln selbst.
Interview: Melanie Strauß
Am Sonntag, 19. September, gibt es in Lauf-Schönberg für interessierte Sammler eine Pilzwanderung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg. Treffpunkt ist um 9 Uhr an der BayWa in Lauf. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.





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