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16.01.09 11:56 Uhr

Die Lauterachforellen lassen grüßen

Von: Christa Moritz

Per Rad von Brunn bei Lauterhofen nach Kastl — 60 Kilometer Gesamtstrecke

Der ehemalige Bahnhof von Lauterach. Foto: Christa Moritz
Der ehemalige Bahnhof von Lauterach. Foto: Christa Moritz

Das Tal der Lauterach, manchmal sogar als „die Toskana der Oberpfalz“ bezeichnet, lädt zum beschaulichen Radfahren ein. Wir nehmen die Autobahn-Ausfahrt Sulzbach-Rosenberg, fahren dann Richtung Lauterhofen, parken aber wenige Kilometer davor im Örtchen Brunn beim Feuerwehrhaus. Schnell sind die Räder vom Autodach gehoben und voller Elan treten wir in die Pedale. Um uns herum ist es still und leer. Die Menschen sind vom Sommerwind verstreut.

Der Lauterachtal-Radweg verläuft meistens direkt am Ufer der Lauterach, die in Lauterhofen entspringt. Es riecht nach Fluss und Wald. Bald erreichen wir die erstmals im Jahre 1103 urkundlich erwähnte Ortschaft Kastl. Über den eng um den Fels gruppierten Dächern thront seit fast 900 Jahren die imposante Anlage der Klosterburg (bis 1556 Benediktinerabtei). Das von Kreuzrippen getragene Tonnengewölbe ist das größte dieser Art in Süddeutschland. Hier ruht in einer Steintumba als über 600 Jahre alte Mumie Prinzessin Anna, das Töchterlein Kaiser Ludwigs des Bayern, das im Alter von nur drei Jahren während eines Aufenthalts des Kaisers verstarb.

Auch das mit zwei Eiern bekrönte Grabmal für den im Jahr 1337 verstorbenen Seyfried Schweppermann befindet sich hier. Das war jener berühmte Feldhauptmann, den der Kaiser für seine Tapferkeit in den Schlachten bei Gammelsdorf und Mühldorf mit den legendären Worten geehrt haben soll: „Jedem Manne ein Ei, dem wackeren Schweppermann aber zwei.“ Das Kloster hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1825 ist in einem Teil der Gebäude das Landgericht Kastl eingezogen. Nach Aufhebung dieses Amtes dienten die Räume während der Hitlerzeit als Landschulheim und dem weiblichen Arbeitsdienst sowie rückgeführten Auslandsdeutschen. Nach dem Zusammenbruch boten sie heimatvertriebenen Flüchtlingen ein Asyl. Seit 1958 ist in dem ehemaligen Kloster das Europäisch-Ungarische Gymnasium mit angeschlossenem Internat untergebracht. Viele Ungarnfamilien, die im westlichen Europa oder in Amerika eine neue Heimat gefunden haben, schicken ihre Kinder hier zur Schule.

Wir radeln weiter durch den Oberpfälzer Jura, neben uns sprudelt die Lauterach. Wir kommen an den schönen Orten Ransbach und Allersburg mit ihren bemerkenswerten Kirchen vorbei, an wunderschönen Wacholderhängen, und loben den Zauber des „Silberdistellandes“. Kurz hinter Allersburg fällt uns ein Gehege mit Alpacas auf, dann erreichen wir die Hammermühle und kurz darauf durchradeln wir Hohenburg und erfreuen uns an den bunten Häuserfassaden.

Nach etwa 30 Kilometern haben wir unser Ziel, den Markt Schmidmühlen, erreicht. Hier fließt die Lauterach in die Vils. Mit trockener Zunge und leerem Magen steuern wir die nächste Wirtshaus-Terrasse an und werden nicht enttäuscht. Die freundliche Wirtin serviert uns köstlich gebratene Forellen mit hausgemachtem Kartoffelsalat. Das kühle Fassbier rinnt die Kehlen hinunter.

Danach haben wir auch wieder Lust, durch den Ort zu bummeln. Der historische Ortskern wurde liebevoll mit erheblichem Aufwand saniert. Sehenswert sind das obere und das untere Schloss. Das obere Schloss, erbaut um 1600 im Stil der Renaissance, war früher der Sitz des pfalzneuburgischen Richters und dient jetzt als Rathaus. Bei dem unteren Schloss handelt es sich um ein barockes Hammerschloss, es ist neu renoviert und für kulturelle Veranstaltungen geöffnet. Interessant finde ich auch den Kirchturm, dem die Spitze fehlt, da er nach dem Einsturz 1807 nicht wieder aufgebaut wurde. Die günstige Lage an den Flüssen bot einst gute Bedingungen für Entwicklung und Wohlstand: Bereits 1010 hatte Schmidmühlen einen Flusshafen und wichtige Handelsstraßen liefen hier zusammen. Auch Eisenerz wurde verarbeitet.

Mit frischer Kraft in den Beinen und gut gelaunt besteigen wir dann wieder unsere Drahtesel und radeln die gleiche Strecke zurück. Auch dieses Mal gewinnen wir auf der Rückfahrt neue Eindrücke. So sticht uns jetzt die Ruine der Burg Hohenburg ins Auge, der einstmalige Stammsitz der Grafen von Hohenburg im Nordgau. Das Schloss wurde schon vor dem Jahr 1000 von den Grafen von Hohenburg gebaut. Heute liegt es im Truppenübungsplatz Hohenfels. 1951 forderte die US-Militärregierung für ihre im süddeutschen Raum stationierten Verbände das Gelände für Übungseinrichtungen.

Der Ort Pielenhofen musste geräumt werden, er wurde starkem Beschuss ausgesetzt und heute sind nur mehr Grundmauern vorhanden. 238 Einwohner verloren ihre Heimat. Allerdings mussten bereits 1938 sieben Anliegergemeinden ihre Grundstücke für die Deutsche Wehrmacht abtreten. Beim Weiterradeln nehmen wir jetzt auch bewusst den früheren Bahnhof von Lauterach wahr. Neben der aufgelassenen Bahnstrecke sind auf der grünen Wiese Tische und Stühle aufgestellt und laden uns nochmals zu einer Rast ein.

Die Wirtin erzählt uns, dass 1973 der Bahnverkehr eingestellt wurde, sie aber die Gaststätte weiterhin betreibt. Ein dicker, fetter Hahn lässt sich unter unserem Tisch nieder und drei seiner Hühner kuscheln sich um ihn herum. Idylle pur. Aufgetankt schaffen wir nun auch noch die letzte Etappe. Über Pfaffenhofen fällt uns jetzt auch noch die „Schweppermannsburg“ auf, die auf der linken Seite thront, und wir nehmen uns vor, sie demnächst näher zu erkunden.

 




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