Illhof träumt von DSL

ILLHOF - Idyllisch in den Hügeln zwischen Benzendorf und Kirchröttenbach liegt Illhof, einer der kleinsten Eckentaler Ortsteile. Viele Menschen leben hier zwar nicht, doch auch sie hätten gerne einen schnellen Internetzugang. Aber die Gemeinde vertröstet die Einwohner, auch Fragen der Pegnitz-Zeitung zu diesem Thema will der Bürgermeister nicht beantworten.
Matthias Wendler ist verärgert. Der Illhofer arbeitet per Home-Office für eine IT-Firma. »Wenn jemand eine Videokonferenz mit mir will, muss ich passen. Wenn ich größere Mails verschicken muss, fahre ich mit meinem Laptop nach Schnaittach zu Burger King. Da gibt es einen Hotspot, an dem man sich kabellos ins Internet einwählen kann», sagt er frustriert.
Schon vor einigen Jahren, als die Straße nach Kirchröttenbach aufgrund von Kanalbauarbeiten aufgerissen werden sollte, fragte er beim Bauamt der Gemeinde nach, ob man damit nicht gleich die Verlegung von Internetleitungen verbinden könne. Das sei nicht möglich, teilte man ihm mit. »Seither rufe ich mindestens halbjährlich auf der Gemeinde an, aber es tut sich nichts», sagt er. Besonders in Rage bringt ihn, dass Bürgermeister Glässer in einem Zeitungsinterview sagt, es gebe keine Nachfragen von den Bürgern. »Ich habe ihm erst vor vier Wochen einen Brief geschrieben, auf den ich bislang keine Antwort erhalten habe.» Ähnlich wie Matthias Wendler in Illhof geht es auch den Bürgern von Oedhof und Benzendorf.
Dabei haben die Illhofer, Oedhofer und Benzendorfer eine gewichtige Fürsprecherin: Ille Dölle ist nicht nur 3. Bürgermeisterin, sondern sogar Vorsitzende der »Regierungsfraktion» von Bürgermeister Wilfried Glässer. Sie wohnt selbst in Oedhof und hat schon 2008 die Erstellung eines DSL-Gesamtkonzepts für Eckental im Gemeinderat beantragt. Kürzlich beispielsweise war auf ihre Initiative hin eine Delegation aus Simmelsdorf zu Gast. Die Oberlandgemeinde nimmt an einem bundesweiten Pilotprojekt in Sachen DSL teil und informierte die Eckentaler darüber. Auch die viel kleinere Nachbargemeinde Kalchreuth profitiert längst von staatlichen Förderprogrammen.
Im Eckentaler Gemeinderat rennt Ille Dölle offene Türen ein. Selbst die »Opposition» lobt und unterstützt ihr Engagement ausdrücklich. »Wir glauben nicht, dass Frau Dölle im Marktgemeinderat zum Thema DSL-Versorgung große Überzeugungsarbeit leisten muss; in der CSU-Fraktion hat sie jedenfalls einen sachpolitischen Partner. Ihr Problem wird vielmehr sein, ihren eigenen Bürgermeister zu überzeugen», so CSU-Sprecher Martin Hofmann in einer Presseerklärung.
Den ersten Schritt zu einer schnellen Internetanbindung hat die Gemeinde indes bereits im März 2009 getan: Verwaltungsmitarbeiter Martin Heuer wurde zum Breitbandpaten bestellt. Dies ist nötig, will die Gemeinde staatliche Fördertöpfe für die DSL-Versorgung angreifen.
Heuers Arbeit steht aber offenbar unter keinem guten Stern: Die PZ darf ihn in Sachen DSL nicht befragen. »Das wünsche ich nicht», sagt Bürgermeister Glässer. Auf die Frage, ob Glässer selbst sich für ein Interview zu dem Thema zur Verfügung stellt, konstatiert er nur: »Es gibt nichts Neues, mehr habe ich nicht zu sagen.»
Dabei hielte sich der Aufwand, den die Gemeinde betreiben müsste, vorerst in Grenzen, sagt Ille Dölle. »Wir müssten zunächst nur eine Bedarfsanalyse durchführen, also einfach die Haushalte befragen, ob sie DSL brauchen», so die Gemeinderätin. Dieser Bedarf werde dann ins Internet gestellt, sodass die DSL-Firmen Angebote abgeben können. »Erst dann wissen wir ja, mit welchen Kosten wir überhaupt zu rechnen hätten», sagt Dölle.


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