Vorbildfunktion über die Grenzen hinaus


UNTERFERRIEDEN – Als Elternvereinigung, Interessenfachverband, Initiativgesellschaft und Wirtschaftsfaktor im Landkreis mit 1450 Betreuungsplätzen, rund 750 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen in 21 Einrichtungen und einer Bilanzsumme von 30 Millionen Euro, so sieht der Vorsitzende Gerhard John die Lebenshilfe Nürnberger Land, die gestern zu ihrem traditionellen Jahresempfang in das Haus der Musik nach Unterferrieden eingeladen hatte. Und die Anwesenheit der zahlreichen Unterstützer aus den Bereichen Politik, Ämtern, Behörden und Gesellschaft, Freunden, Unterstützern und Gönnern (weit über 100) wertete sowohl er als auch Geschäftsführer Norbert Dünkel als Beweis dafür, dass die Lebenshilfe im Nürnberger Land ein breites Fundament hat. Weit über die Grenzen des Landkreises hinaus habe man Vorbildfunktion, ein gemeinsamer Erfolg des engagierten, motivierten und kompetenten Personals, in enger Zusammenarbeit mit dem verantwortungsbewussten ehrenamtlichen Vorstand.
John machte in seinen Ausführungen deutlich, dass man sich in den nächsten Jahren vor allem mit dem Thema Inklusion beschäftigen müsse. Er begrüßte die bereits durchgeführten Schritte der Umsetzung und lobte besonders den fraktionsübergreifenden Landtags-Gesetzentwurf „Inklusion an Schulen“. Nichtdiskriminierung und Gleichbehandlung sei eine wichtige gemeinsame Aufgabe.
John machte aber auch deutlich, dass Behindertenhilfe nicht der Beliebigkeit unterliegen dürfe. Er warnte davor, soziale Standards abzubauen, um die Kasse zu schonen. „Wir fordern ein Mindestmaß an Teilnahme am gesellschaftlichen Leben“, forderte John, der auch stellvertretender Landesvorsitzender ist, für die Lebenshilfe.
Man dürfe keine Barrieren aufrichten, die ein Behinderter wegen seiner Beeinträchtigung nicht ohne Hilfe überwinden könne. Da gebe es einen großen Gestaltungsspielraum, über den die kommunalen Gebietskörperschaften und der Staat jetzt reden müssten. Das sei etwas anderes als soziale Standards abzubauen, um die Kasse zu schonen. Mit der Fachreferentin des Deutschen Landkreistages, Dr. Vorholz, war er sich einig: „Wir müssen gemeinsam einen inklusiven Sozialraum gestalten.“
Der Vorsitzende mahnte die Reform der Eingliederungshilfe an, die die Umstellung von ambulanter, teil- oder vollstationärer Hilfe auf personenzentrierte Hilfen, die am individuellen Bedarf und der persönlichen Lebensplanung ansetzen, beinhalte.
Es gehe in der ganzen Diskussion aber auch darum, den Betroffenen die Angst vor der Inklusion zu nehmen. „Auch in Zukunft muss es Wahl- oder Fördermöglichkeiten geben.“ Dass für die Lebenshilfe im Nürnberger Land das Thema Inklusion seit Jahren im Mittelpunkt stehe zeige ein Blick auf die Einrichtungen: drei integrative Kindergärten, die erste integrative Kinderkrippe im Landkreis, integrative Konzepte mit den Grundschulen Diepersorf, Ottensoos und dem Wichernhaus Altdorf, Außenklassen, Außenarbeitsplätze und Außenwohngruppen.
Kurz streifte John die anstehenden Projekte: Werkstättensanierung, Wohnstättenerweiterung, neue Tagesstätte für Senioren und die Neuplanung einer Wohnstätte mit 35 Plätzen, wobei es Johns Wunsch wäre, diese im südlichen Landkreis zu verwirklichen.
Landrat Armin Kroder stellte den „sozialen Landkreis“ in den Mittelpunkt seines Grußworts. Er betrachte in diesem Zusammenhang die Debatten in der kommunalen Familie wegen der Finanzierung mit Sorge und mahnte erneut vor „kommunalem Kannibalismus“. Wenn man Debatten über Standards nur am Geld orientiert führe, komme man nicht weiter. Landkreis und Bezirk würden hier gute Arbeit leisten und deswegen sei das Geld für soziale Zwecke gut angelegt. Der Lebenshilfe dankte er für den geleisteten Beitrag zum sozialen Landkreis, der seinerseits die Lebenshilfe auch weiter nach Kräften unterstützen werde.
Burgthanns Bürgermeister Heinz Meyer zeigte sich erfreut darüber, dass die Lebenshilfe ihren Jahresempfang im Haus der Musik, das man gerne zur Verfügung gestellt habe, durchführe.
Bezirkstagsvizepräsidentin Karin Knorr versicherte, dass im Bezirkstag niemand daran denke, die vorhandenen Standards zu ändern. Hilfe zum Leben sei eine wichtige Aufgabe und hier sei die Lebenshilfe vorbildlich.
In seinen Begrüßungsworten wertete Geschäftsführer Norbert Dünkel trotz der Diskussionen um die Finanzen für den sozialen Bereich die große Resonanz „als ein Stück Solidarität“.
Einen besonderen Glückwunsch gab es für den großen Gönner der Lebenshilfe, Promi-Friseur Marcel Schneider, der an diesem Tag Geburtstag feierte. Bellinda Jobst und Matthias Kick vom Werkstattbeirat übernahmen die Dankesworte bevor das Service-Team der Lebenshilfe die Gäste bewirtete. Mit modernen Rhythmen umrahmte die Gruppierung „Accustic Affairs“ des Sound-Orchesters dem Empfang.L.M.


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