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Lokales DB
12.05.10 14:26 Uhr

Bestand des Tierheims weiter in Gefahr?

Von: Der Bote

FEUCHT – Die Planungen, neben dem Tierheim Feucht eine dichte Wohnbebauung im Gebiet „Am Reichswald“ entstehen zu lassen, sind in vollem Gange. Erst am vergangenen Donnerstag fand die Sitzung des Bauausschusses statt, bei der die Beschlussempfehlung an den Gemeinderat zur Aufstellung des Bebauungsplans gefasst wurde. An der Situation des Tierheims haben die marginalen Änderungen des bisherigen, vorläufigen Bebauungsplans im Vergleich zur früheren Fassung aber nichts geändert. Nach wie vor ist für das Tierheim keinerlei Rechtssicherheit hinsichtlich der zu erwartenden Klagen durch die künftigen Anwohner gegeben. Die Verantwortlichen des Tierheims starteten jetzt eine Unterschriftenaktion.

Bei der Bauausschuss-Sitzung wurden von zahlreichen Stellen Einwendungen vorgetragen, viele nannten das Thema Lärmschutz. Es war eines der vordringlichsten Probleme in den jeweiligen Ausführungen. Auch die vom Tierheim Feucht durch dessen Anwalt vorgelegten Einwendungen waren Gegenstand der Sitzung, wurden aber einfach vom Tisch gewischt, so der Eindruck der Tierheim-Verantwortlichen, die unter den Zuhörern waren. Auch in ihren Einwendungen ging es um das Thema Lärm. Darin wurde unter anderem festgestellt, dass die Bauleitplanung der Gemeinde nicht den gesetzlichen Anforderungen entspreche.

„In einem Tierheim kann Lärm, zum Beispiel durch Hundegebell und andere Lautäußerungen von Tieren, nicht verhindert werden, weder tagsüber noch nachts. Der Tiernotdienst des Tierheims liefert 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr Tiere im Tierheim ein, vor allem welche, die ausgesetzt wurden oder entlaufen sind. Es handelt sich hier oft um Tiere, die sich aufgrund ihrer Situation in einem psychischen Ausnahmezustand befinden und deswegen besonders nervös reagieren, folglich bellen, kreischen und dergleichen. Der Zeitpunkt der Anlieferung kann auch nicht anders gewählt werden, da es sich stets um Notfälle handelt, denen schnellstmöglich geholfen werden muss“, beschreibt 1. Vorsitzender Herbert Sauerer die Problematik.

Seitdem das Tierheim Feucht von der geplanten Wohnbebauung erfahren hat, also inzwischen seit fast einem Jahr, fordert es, dass seine Bedürfnisse im Rahmen der Bauleitplanung berücksichtigt werden. Insbesondere geht es um eine rechtliche Absicherung, die das Tierheim an seinem Standort vollumfänglich mit seinen Tieren, seinen angestellten Mitarbeitern und seinen ehrenamtlichen Helfern vor Klagen durch die künftigen Anwohner schützt. Der in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte baurechtliche Bestandsschutz helfe hier nichts. Er biete keinen Schutz vor zivilen Klagen.

Realistische Bedenken

Die Forderung ist nicht etwa aus der Luft gegriffen, betont der Tierheim-Vorstand: Es ist bereits einmal geschehen, dass ein Tierheim durch Anwohner „weggeklagt“ wurde, nachdem ein Wohngebiet in der Nähe des Tierheims entstanden war – „und zwar nicht irgendwo weit weg, sondern bei uns in Mittelfranken, Anfang der Neunziger Jahre“, so Sauerer. Viele Menschen würden denken: „Es kann ja nichts passieren, das Tierheim Feucht war ja zuerst da“, doch auch das sei ein Irrglaube. Das genannte Tierheim bestand auch damals seit rund 30 Jahren und musste weichen, weil sich Menschen durch Hundegebell belästigt fühlten, die 200 Meter entfernt von der Einrichtung wohnten und dort hingezogen sind. „Zum Vergleich: Bei uns in Feucht wären die nächsten Anwohner nur rund 15 Meter entfernt“, macht der 1. Vorsitzende die Brisanz deutlich.

Ein weiterer, nicht auf den ersten Blick erkennbarer Aspekt sind seiner Ansicht nach die Fundtiere. Das Tierheim Feucht fungiert unter anderem als Aufnahmestelle für entlaufene und ausgesetzte Tiere. Nach deutschem Recht ist für Fundtiere die Gemeinde zuständig, genauer gesagt das jeweilige Fundamt. Nur besteht dort in aller Regel nicht die Möglichkeit, unterschiedlichste Tiere art- und tierschutzgerecht, gegebenenfalls in Quarantäne, zu verwahren.

„Was würde also mit diesen Tieren geschehen, wenn es das Tierheim Feucht nicht mehr gibt?“ fragt Sauerer. Das Tierheim übernimmt diese öffentliche Aufgabe übrigens nicht nur für Feucht, sondern ist für einen großen Teil des Landkreises Nürnberger Land zuständig und deckt 13 Städte, Märkte und Gemeinden ab.
Zusammengefasst sieht sich das Tierheim Feucht mit fortschreitender Bauleitplanung ernsthaft in seinem Bestand und seinen Entwicklungsmöglichkeiten gefährdet. Aktuell hat das Tierheim bei der Marktgemeinde eine Bauvoranfrage zur Errichtung einer Außenvoliere zur Aufnahme und eventuellen Wiederauswilderung von aufgepäppelten Vögeln und kleinen Wildtieren gestellt.

Um seinem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen, hat das Tierheim eine Unterschriftenaktion gestartet. Unterstützer können sich im Tierheim in Listen oder auch online auf der Homepage des Tierheims unter www.tierheim-feucht.de/petition eintragen. In der Online-Variante sind auch anonyme Eintragungen möglich, die nicht öffentlich angezeigt werden.




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