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26.08.10 17:50 Uhr

Das Ende der Schleichwege durch den Wald?

Von: Andreas Sichelstiel

Der Heroldsberger Mühlweg führt durch den Sebalder Reichswald und verbindet Heroldsberg mit Lauf. Wenn sich Staatsforsten und Kommunen nicht über den Unterhalt einigen, wird er wohl zur Schotterstrecke zurückgebaut. Foto: Sichelstiel

NÜRNBERGER LAND — Straßen-Zwist im Reichswald: Die Staatsforsten wollen den Unterhalt einiger Strecken nicht länger alleine bezahlen – und nehmen die Gemeinden in die Verantwortung. Weil deren Kassen jedoch leer sind, könnte der Autofahrer am Ende das Nachsehen haben. So wie im Fall des Mühlwegs, der Heroldsberg mit Lauf verbindet. Ihn will das staatseigene Unternehmen unter Umständen sogar zu einer Schotterstraße zurückbauen.

Er zählt nicht gerade zu den stark befahrenen Straßen, der kerzengerade Mühlweg. Aber für viele Heroldsberger ist die schmale Piste mitten durch den Sebalder Reichswald doch die wichtigste Verbindung nach Lauf. Sie führt vom westlichen Rand der Marktgemeinde direkt auf die Kreisstraße zwischen Behringersdorf und Günthersbühl. Eine Abkürzung, die auf dem Weg in die Arbeit sechs, sieben Minuten spart.

Damit könnte es jetzt vorbei sein. Bisher haben die Staatsforsten – das Unternehmen, das 2005 durch die Forstreform entstanden ist – den Unterhalt des Mühlwegs bezahlt, der auf gemeindefreiem Gebiet verläuft. Nun wollen sie die Kosten nicht länger alleine tragen. Die benachbarten Kommunen sollen mit ins Boot, fordert Roland Blank, der Leiter des Nürnberger Forstbetriebs: „Wir sind ja keine Straßenbaubehörde.“ Er stellt auch gleich klar: Wenn sich Heroldsberg, Schwaig und Lauf nicht beteiligen, wird die Strecke, die in einem schlechten Zustand ist, zurückgebaut. Schotter statt Asphalt also. Ideal für Forstmaschinen, weniger ideal für Autos.

Im Lorenzer Reichswald rund um Leinburg haben sich die Staatsforsten in ähnlichen Fällen bereits durchgesetzt. Leinburg, Winkelhaid und Nürnberg werden Geld an das Unternehmen überweisen, sobald Schäden an der Straße nach Ungelstetten beziehungsweise nach Brunn – hier ist Winkelhaid allerdings außen vor – auftreten. Die Unterschriften unter den entsprechenden Verträgen sind noch frisch.

In den Rathäusern betrachtet man diese Entwicklung mit Missmut: „Der Staat zieht sich aus der Verantwortung“, findet etwa Johannes Schalwig, Bürgermeister von Heroldsberg. Anders als die frühere Forstverwaltung würden die Staatsforsten das Thema „rein betriebswirtschaftlich sehen“, meint Robert Zürl, der leitende Beamte in Leinburg. Und Wolfgang Leeb, der bei der Stadt Nürnberg das Sachgebiet Wegerecht leitet, attestiert dem Unternehmen sogar ein gewisses „Drohgebaren“.

Dabei haben die Staatsforsten das Recht wohl auf ihrer Seite: Zwar ist auch fünf Jahre nach ihrer Gründung noch nicht endgültig geklärt, ob die Baulast für Straßen im Forst weiterhin beim Freistaat oder aber beim neuen Unternehmen liegt; laut bayerischem Straßen- und Wegegesetz jedoch, das hat Schalwig genau prüfen lassen, dürfen die Anlieger in Anspruch genommen werden.

Eine alte Streitfrage

Alle Straßen führen durch Gebiet, über dessen Eingemeindung schon in den siebziger Jahren verhandelt wurde – ohne Erfolg. „Mancherorts sind solche Fragen bereits seit 40 Jahren gelöst“, sagt der Vertreter der Staatsforsten. „Dieser Umstand holt die Entscheider nun ein“, so Blank. Den Vorwurf, der Staat als Eigentümer des Forstunternehmens würde sich aus der Verantwortung stehlen, will er nicht akzeptieren: „Man kann das auch anders sehen. Die Gemeinden haben sich bisher nicht um die Straßen gekümmert.“ Nun müssten sich die Bürgermeister und die Räte schlicht überlegen, ob sie weiter Interesse an den Wegen durch den Reichswald hätten.

Für den Mühlweg könnte das Pokerspiel am Ende keine guten Folgen haben. Schwaig hat bereits klargestellt, dass es gegen den Rückbau keine Einwände hat. Der Laufer Bauausschuss behandelt das Thema zwar erst Mitte September, aber in Heroldsberg macht man sich keine allzu großen Hoffnungen auf die  Hilfe der Nachbarn. „Und dass wir die Kosten alleine tragen, ist utopisch“, so Schalwig. Er rechnet mit über einer halben Million Euro für die komplette Sanierung der zerschlissenen Asphaltdecke, die früher oder später ansteht. „Ich weiß nicht, ob der Marktgemeinderat bereit ist, so hoch einzusteigen.“

Auch als Schotterpiste bliebe der Mühlweg freilich als Straße „gewidmet“, wie es im Fachjargon der Juristen heißt. Dort könne der öffentliche Verkehr also genauso rollen wie bisher, bestätigt die Straßenverkehrsbehörde im Laufer Landratsamt. „Problematisch wird es nur dann, wenn Schlaglöcher da sind“, sagt Bernhard Zunner, deren Leiter.

Und hier fangen die Befürchtungen des Heroldsberger Bürgermeisters an, der glaubt, dass der Rückbau der Anfang vom Ende für die Abkürzung sein könnte. Benutzen immer weniger Autofahrer den Mühlweg – und sei es nur aus Angst davor, dass ihr Fahrzeug dreckig werden könnte –, so verliert dieser früher oder später seine öffentliche Bedeutung als Gemeindeverbindungsstraße. Dann könnte er zum reinen Forstweg zurückgestuft werden. Sechs Minuten mehr für die Heroldsberger auf dem Weg zur Arbeit, aber eine große Ersparnis für die Staatsforsten.




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