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Lokales HZ
26.08.10 17:22 Uhr

Wenn der Lokführer den eigenen Zug verpasst

Von: Hersbrucker Zeitung

Wartende Reisende am Bahnhof rechts der Pegnitz sind an sich nichts Ungewöhnliches. Diesmal warteten sie jedoch auf einen Ersatzzug, weil ein Lokführer für den Schwandorfer Triebwagen fehlte. Foto: K. Bub

HERSBRUCK (ap) - Es war wieder einmal Warten angesagt am Bahnhof rechts der Pegnitz in Hersbruck: Doch es war kein Triebwerksschaden oder Ähnliches, das am Mittwochabend die Reise in die Oberpfalz verhinderte, sondern ein fehlender Lokführer.

Als der dreiteilige Zug mit den Fahrtzielen Bayreuth, Eger und Schwandorf um 16.48 Uhr am Nürnberger Hauptbahnhof losfuhr, schien das Team komplett. Beim ersten Halt in Hersbruck, von wo der hintere Triebwagen nach Schwandorf seine Fahrt in der Regel alleine fortsetzt, wurde der Lokführer vermisst und auch nach intensiver Suche der beiden anderen Zugbegleiter und Lokführer in und außerhalb der Waggons nicht gefunden.

Wie sich später herausstellte, war dem Lokführer ein nur allzu menschliches Missgeschick unterlaufen: „Er hat einfach auf den falschen Schichtplan geschaut“, erklärte eine Sprecherin der Bahn auf Nachfrage der HZ die Verzögerungen auf der rechten Bahnstrecke.

Kleine Abenteuerreise

Ohne seinen Fahrer konnte der hintere Zugteil jedoch nicht weiterfahren. Also mussten dessen Passagiere kurzerhand alle in Hersbruck aussteigen. Der Schwandorfer Triebwagen blieb angekoppelt und wurde mit durch das obere Pegnitztal gezogen. Für die Reisenden hieß dies, sich rund eine halbe Stunde die Füße auf dem Bahnsteig zu vertreten, bis ein eilends bereitgestellter Ersatzzug die Wartenden aufnahm und an ihr Ziel brachte.

Ein Pärchen aus der Oberpfalz befürchtete, dass dieser Wagen dann proppenvoll sein würde. Daher setzten sich die beiden lieber in die Regionalbahn nach Nürnberg, um mit dem übernächsten Zug von Nürnberg nach Schwandorf zu fahren, und zwar mit Sitzplatz. Zumindest die beiden nahmen die Panne mit Humor: Ihre kleine Abenteuerreise durch Franken nutzten sie, um sich die vorbeirauschende Landschaft in aller Ruhe anzusehen.




Kommentare

Günther KLEBES, Erlangen, 01.09.2010 13:15:
Zum Thema möchte ich noch was hinzufügen.

Jüngst fuhr ein Nachtzug von Barcelona mit Kurswagen nach Mailand und Zürich. Im französischen Lyon wurde er geteilt und beide Teile in die falsche Richtung geschickt.
Beim einen Zug merkte man es an der Grenze, beim anderen erst bei der Ankunft im falschen Bahnhof. Diese Fahrgäste wurden dann durch die gesamte Schweiz umgeleitet.
Nicht auszudenken, wenn vor einer Woche die Oberpfälzer in Oberfranken oder gar im Egerland gelandet wären !!
Juergen Schmerle, Schwarzenfeld, 29.08.2010 12:08:
Ich fahre nun seit über 18 Jahren diese Strecke.
Was ich da schon alles mit der Bahn erlebt habe könnte man in einem Buch zusammenfassen. Aber man schafft es doch noch eins drauf zu legen. Dass man dann auch noch die Fahrgäste mit Falschinformationen versucht zu beruhigen ist typisch Bahn.
Mich würde Mal interessieren wo sich in solchen und auch anderen Situationen das Zugbegleitpersonal versteckt.
Da finden sie keinen mehr!!! Die sind spurlos verschwunden.
Günther KLEBES, Erlangen, 27.08.2010 20:38:
Missgeschicke sind menschlich und verzeihlich. Nicht verzeihen kann man der Bahn, die keine Regelung dafür vorsieht. In solch einem Fall hätten die drei Zuggarnituren den Nürnberger Hauptbahnhof zusammengekuppelt nicht verlassen dürfen. Man sollte doch vorher schon merken können, ob das Team komplett ist. Wenn einer fehlt, bleibt eben ein Teil stehen, bis ein Ersatzlokführer da ist. Dem führerlosen Zugteil bzw. den Fahrgästen einen Ersatzzug hinterher zu schicken ist ein Witz, so was muss am Start geklärt sein.
Kurt Schurz, 92536 Pfreimd, 27.08.2010 19:37:
Ja, die Bahn ist eben immer bereit, ihren Fahrgästen eine Streich zu spielen. Das hier war der Oberstreich. Die Schildbürger können da nicht mehr mithalten. Das ganze kann man ja noch mit Humor sehen und unter „lustig“ abheften. Doch eines muss mir die Bahn schon einmal erklären: Wo ist denn der Ersatzzug geblieben von dem sie schreiben, hat der sich etwa verfahren? In Hersbruck ist der nie angekommen, auf den würden wir jetzt noch warten. Wir sind dann alle mit dem regulären Folgezug dem RE3599 um 17:51 Uhr weiter nach Schwandorf gefahren. Dieser Zug war natürlich so wie zu erwarten sehr voll, viele Fahrgäste mussten bis Sulzbach-Rosenberg ihre Weiterreise stehend verbringen. Dann in Amberg der nächste Streich. Der Zug musste fast 20 Minuten auf einen verspäteten Gegenzug warten. Mir wurde schon wieder angst und bange, dass mir mein Anschlusszug in Schwandorf wieder einmal vor der Nase wegfährt, das macht dem nämlich große Freude. Ich hatte aber nochmals Glück, sonst wäre ich noch eine Stunde in Schwandorf auf dem Bahnhof gestanden um auf den nächsten Zug zu warten.

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