Vom Stift zum Rathaus-Chef

RÖTHENBACH — Als er seine Ausbildung im Rathaus begann, gab es in Röthenbach noch vier Kinos – mehr als in Lauf – und der Monatslohn betrug im ersten Lehrjahr 20 Mark: Günther Steinbauer, inzwischen in der dritten Amtszeit Röthenbachs Bürgermeister, feierte am Montag sein 50. Dienstjubiläum.
„Der einzige Beweis für das Können ist das Tun“, hatte Steinbauers Stellvertreter Dieter Quast seine Laudatio überschrieben. Steinbauer habe, obwohl er „nur“ die Volksschule besucht hatte, seine Chance genutzt und sich stets weiterentwickelt. Damit sei er in guter Gesellschaft: Der frühere Verteidigungsminister Georg Leber, Franz Müntefering und Gerhard Schröder hätten ebenfalls keinen höheren Schulabschluss gehabt. „Dass das alles SPD-Männer sind, ist natürlich Zufall“, scherzte Steinbauers Parteifreund Quast.
Aber sie alle, wie eben auch Steinbauer, seien Männer von der Basis gewesen. So sei auch Steinbauers große Bürgernähe nach wie vor eine seiner großen Stärken.
Seit 50 Jahren dient Steinbauer nun seiner Stadt. Diese Zeit ließ Quast Revue passieren. Geboren in der Grünthalstraße 5 – „erster Stock, links“, wie der Jubilar selbst hinzufügte – besuchte er in Röthenbach die Schule und trat 1960 seine Lehre bei der Stadt an. Seitdem hat er alle Fachbereiche durchlaufen, war unter anderem im Bauamt, im Einwohnermeldeamt und leitete später die Stadtkämmerei und auch das Kulturamt. Er arbeitete sich bis in den gehobenen Dienst vor und unter drei Bürgermeistern, bevor er 1998 selbst Rathaus-Chef wurde.
Das 50-jährige Dienstjubiläum Steinbauers stellte auch den Personalrat vor ein Problem: Es gebe festgelegte Beträge für ein Geldgeschenk zum 25. und 40. Dienstjubiläum, mit dem 50. allerdings habe man noch keine Erfahrungswerte. Man habe sich aber geeinigt, so der stellvertretende Personalrat Mohammed Younis, der sich zugleich bei seinem „guten Kollegen und Bürgermeister“ für die Zusammenarbeit bedankte.
Kulturamtsleiter Helmut Stützinger, der seit immerhin 32 Jahren Steinbauers Kollege ist, übergab dem Bürgermeister ein Geldgeschenk und eine Fotocollage von der Rathausbelegschaft. „Wir haben dir hier in Bildern Vorschläge gemacht, wofür du das Geld verwenden könntest. Das geht vom selbst Helikopterfliegen bis zur Nacht im Iglu“, so Stützinger. „Wir wünschen dir viel Spaß.“
Das Herzstück des Geschenks der Belegschaft an ihren Chef war aber multimedialer Art: eine Diaschau mit Impressionen aus 50 Jahren mit Günther Steinbauer. Als Nikolaus, Neandertaler, in seiner Rolle als frisch gebackener Opa oder mit Clownsperücke und Riesenbrille trug der Bürgermeister darin zur allgemeinen Erheiterung bei.
„Mein Arbeitsleben hat mit einem Sonntag begonnen“, blickte schließlich auch Günther Steinbauer selbst zurück. Sein erster Tag bei der Stadt Röthenbach sei Montag, der 2. September, gewesen. Mit gemischten Gefühlen habe er an diesem Tag im Jahre 1960 vor der Rathaustreppe gestanden – dafür sei einerseits die Aufregung, aber auch ein Volksfestbesuch am Abend vorher der Grund gewesen. „Es war eine schöne, spannende Zeit, die ich auch bis auf ganz wenige Ausnahmen nicht missen möchte“, sagte der Bürgermeister und bedankte sich für alle guten Wünsche.


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