RSS-FeedsAnzeigenIhre ZeitungGemeindenKontaktImpressumSitemap
Lokales HZ
03.09.10 16:22 Uhr

Müllgebühren: Da wäre man gern Oberpfälzer

Von: Hersbrucker Zeitung

Die Müllkutscher, hier am Hersbrucker Gänsturm, will niemand missen. Doch die Gebühren sind im Nürnberger Land weitaus happiger als im Nachbarlandkreis.

HERSBRUCK (gz) - Wo würden Sie lieber Ihren Müll sammeln lassen? fragte vor drei Jahren die HZ. Schon damals war vielen Bürgern im Nürnberger Land die hohe Müllgebühr ein Ärgernis. Denn im Landkreis Amberg-Sulzbach geht es um zwei Drittel billiger. Jetzt plant der Kreistag in Lauf für 2011 sogar eine Erhöhung um etwa 20 Prozent. Die Kollegen in Amberg haben die Gebühren zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre gesenkt.

Und so schaut der Preisvergleich aus, bei dem man gerne Oberpfälzer wäre: Der Weigendorfer zahlt im Jahr 61,20 Euro für die 14-tägig geleerte Restmülltonne, die Nachbarin einen Kilometer westlich in Hartmannshof muss für die gleiche Leistung derzeit 146 Euro hinlegen, ab Januar gar 177 € - also fast das Dreifache wie der Weigendorfer (jeweils bei Eigenkompostierung). Auch wenn sich der Oberpfälzer eine Biotonne dazu bestellt, kommt er noch mit 151 € im Jahr davon, die mittelfränkische Nachbarin zahlt dafür künftig 218 € (bisher 184 €).

Als die HZ 2007 erstmals auf diese gravierenden Kostenunterschiede hinwies, war die Aufregung landkreisweit groß. Der damalige Landrat Helmut Reich versuchte mit Presseerklärungen und Stellungnahmen im Kreistag zu erklären, dass hier „Äpfel mit Birnen“ verglichen würden. Doch die Unterschiede im Detail hatte die HZ gar nicht verschwiegen:

Biomüll: Der Landkreis Amberg-Sulzbach fährt keine Biotonne ab, viele Bürger kompostieren selbst, einige werfen Bananen- und Kartoffelschalen wohl zum Restmüll. Daneben gibt es private Anbieter für Biotonnen (die dann, siehe oben, die Müllgebühr schnell verdoppeln).

Gelber Sack: Auch die Plastik-Sortierung bieten die Oberpfälzer nicht an der Haustür an, den Gelben Sack gibt es nicht. Jeder Bürger muss (oder sollte) seine Kunststoffabfälle selbst auf den Wertstoffhof der Gemeinde fahren.

Restmüllsack: Wem im Nürnberger Land ab und an die Restmülltonne nicht langt, kann seinen Abfall günstig im zusätzlichen Sack neben seiner Tonne mitnehmen lassen. 2 Säcke, als etwa 1 Kubikmeter, kosten hier nur 5 Euro, der Landkreis zahlt dann aber für die Entsorgung 19 Euro. „Dieses Ventil wird immer mehr genutzt“, sagt Kämmerer Werner Rapp, der lange die Abteilung Entsorgung leitete. Das Angebot soll bleiben, damit nicht (mehr) Müll im Wald landet. In Amberg-Sulzbach gibt es das gleiche Angebot, hier kostet der Sack 4 Euro, also 1 Kubikmeter dann 8 Euro.

Elektronikschrott: In Amberg-Sulzbach müssen die Landkreisbürger damit zum Wertstoffhof fahren, im Nürnberger Land wird der alte Fernseher beim Sperrmüll mitgenommen.

Giftmüll: Der heißt inzwischen amtlich Problemmüll, der Landkreis ist bei der fach- und umweltgerechten Entsorgung von Batterien, Chemikalien und Co. aber weiterhin Spitze. Weil das Giftmobil so häufig und so weit in einzelne Orte fährt, kommen 1,3 Kilo pro Kopf zusammen, drei mal so viel wie der Durchschnitt in Bayern von 0,4 Kilo Giftmüll. Der Landkreis Amberg-Sulzbach liegt hier weit unterm Landesdurchschnitt (Zahl von 2007).

Kostenlose Angebote: Zudem weist der neue Chef der Abfallwirtschaft in Lauf, Michael Oberleiter, darauf hin, dass in den letzten zwölf Jahren — seit 1999 waren die Gebühren stabil — eine Reihe kostenloser oder billiger Angebote hinzukamen: der Wertstoffhof in Altdorf, das Holsystem für Elektroaltgeräte, die Umladestation für Rest- und Sperrmüll im Industriegebiet Lauf. Auch die Sammelkosten und die Kosten für die Wertstoffhöfe stiegen. Allein bei den Gartenabfällen gab es etwa in Altdorf und Neunkirchen in den letzten fünf Jahren eine Steigerung um ein Drittel. Oberleiter: „Die Leute bringen einfach mehr.“

Und am entscheidenden Unterschied zwischen den Nachbarlandkreisen Nürnberger Land und Amberg-Sulzbach lässt sich auf absehbare Zeit nichts verändern: Die Oberpfälzer werden ihren Abfall in der preiswerten Verbrennung in Schwandorf los: Preis pro Tonne nur noch 78 Euro. Die Franken stehen bei der Stadt Nürnberg unter Vertrag. Kosten pro Tonne dort 190 Euro. Der Vertrag läuft bis 2018 — und als ihn der Landkreis in den 90er Jahren mit der Großstadt schloss, war man froh (siehe Bericht oben). Denn so ließ sich der den ganzen Landkreis aufwühlende Streit um den Standort einer neuen Deponie beenden, die vorhandene Deponie in Neunkirchen am Sand konnte geschlossen werden. Der Zug für Schwandorf war zu der Zeit schon abgefahren, die Oberpfälzer hatten für ihre westlichen Nachbarn keine Kapazitäten mehr frei.

Zugleich musste das Nürnberger Land jahrelang viel Geld in die Sanierung der alten Deponie in Neunkirchen am Sand stecken. Rund 15 Millionen Euro wurden da ausgegeben, um den Giftcocktail nahe am Grundwasser abzusaugen und abzudichten. Jetzt zahlt der Kreis „nur“ noch jährlich 50.000 bis 100.000 Euro an die Gemeinde Neunkirchen — wegen der Belastung der Kläranlage. Teilweise wurde die Sanierung mit einem zeitweiligem Überschuss aus den Gebühren finanziert. Doch der ist aufgebraucht.

Auch hier steht der Nachbarlandkreis Amberg-Sulzbach besser da, er besitzt nur eine kleine Bauschuttdeponie. Die anderen alten Schuttplätze gehören den Gemeinden. Die wiederum bekommen zur Sanierung vom Freistaat Geld (www.altlasten-bayern.de). Landkreise und kreisfreie Städte aber können auf diesen Topf nicht zugreifen. Begründung: Sie können die Sanierung alter Deponien ja über die Müllgebühren finanzieren.

Beschließen wird der Kreistag Nürnberger Land die saftige Anhebung im Oktober. Aber anders als bei manchen Streitthemen wie Neubau oder Sanierung des Landratsamtes wird der Verwaltungsvorschlag zu den Müllgebühren wohl durchgewunken. Denn die Gebühren müssen kostendeckend sein.




Kommentare

Keine Anmerkungen

Anmerkung hinzufügen

* - Pflichtangabe

Hinweis: Hinweis: Die Redaktionen behalten sich vor, Kommentare auch als Leserbriefe in den drei Heimatzeitungen zu veröffentlichen. Beleidigende oder anstößige Kommentare werden gelöscht. (Anm. d. Redaktion).

*
*


*
*


Skilifte und Langlauf-Loipen im Verbreitungsgebiet

twitter Stream

NAchrichten aus Nürnberg & Franken

Hier geht es zum Veranstaltungskalender


Link zur Startseite Der Bote Link zur Startseite Pegnitz-Zeitung Link zur Startseite Hersbrucker Zeitung Link zur Homepage N-land.de