Sie bringen andere in die Ferien
KREPPLING — Die Schulferien im August könnten für ein mittelständisches Omnibusunternehmen auch Betriebsferien bedeuten, fällt doch die tägliche Schülerbeförderung weg. Wer das für möglich hält, hat weit gefehlt. Denn auch oder gerade im Sommer seien er und seine Transportmittel sehr gefragt, wie der Krepplinger Busunternehmer Reinwald Tölk aus seiner Erfahrung darlegt.
Das Gespräch findet an einem Donnerstag, einem vermeintlich ruhigen Spätnachmittag statt. Doch ruhig geht es im Büro des Familienbetriebs keineswegs zu: Da bereitet Fahrer Hans Schmidt nach einem durch die vorgegebene Lenk- und Ruhezeitenregelung eingeschobenen kurzen Arbeitsurlaub sich und sein Gefährt auf eine Fünf-Tage-Fahrt ins Elsass vor.
Zusammen mit Erna Raum, die sich um die Reisegruppe kümmern wird, werden Getränke, Kaffee, Kuchen und eine fränkische Brotzeit eingeladen. Fahrtbeginn mit dem 50-Sitzer-Bus ist in aller Frühe am nächsten Morgen. Die Osternoherin organisiert und betreut im Übrigen für das Unternehmen bereits seit nahezu 33 Jahren Gruppen auf Ein- und Mehrtagesfahrten.
Zwischenzeitlich kommt Senior Otto Tölk, der immer dann als Fahrer einspringt, „wenn Not am Mann ist“, von einer Linienfahrt zurück. Auch dieser Bus muss für die am nächsten Tag anstehenden Fahrten gereinigt, betankt und gewartet werden. Nebenbei läutet im Büro wieder das Telefon.
Um Auskünfte und Kundenwünsche kümmern sich hier in erster Linie Petra Tölk, die persönlich die vielen Stammgäste, Gruppen und Vereine betreut, aber auch Seniorchefin Berta Tölk greift hin und wieder zum Hörer.
Wie Reinwald Tölk erzählt, versorgt der Familienbetrieb im Linienverkehr zum Beispiel regelmäßig die Strecke Hormersdorf-Neunkirchen am Sand oder die Fahrten der Lebenshilfe Schönberg. Vereinsfahrten, Fahrten ins Blaue oder Fahrten aus dem eigenen Reiseprogramm (beispielsweise fünf Tage Südtirol) gestalten er und seine Schwester Petra nach eigenen Vorstellungen, aber auch nach den speziellen Wünschen der Kunden. Zudem ist das Krepplinger Busunternehmen im Notfallprogramm, etwa bei der Deutschen Bahn, aufgenommen und gewährleistet jederzeit einen Schienenersatzverkehr. Damit alle Tages- und Ausflugsfahrten, die vielfach am Wochenende stattfinden, abgedeckt werden können, haben alle fünf Familienmitglieder die entsprechenden Busscheine, auch Reinwald Tölks Ehefrau Anita.
Da bleibt für alle wenig Zeit fürs Urlaub machen, will man doch auf die angestellten Fahrer so weit wie möglich Rücksicht nehmen. Der Juniorchef und seine Ehefrau jedenfalls beteuern schmunzelnd, dass sie in den letzten zwanzig Jahren keine 14 Tage zusammenhängend Urlaub gemacht hätten. Drei bis vier Tage in den Bayerischen Wald, ja das ginge, da haben dann die Eltern oder Schwester Petra „den Laden voll im Griff“. Und wenn er sich doch länger aus dem Alltagsgeschäft ausklinken könnte? Dann, so der 51-jährige Reinwald, würde er für drei Wochen auf dem Jakobsweg in Spanien pilgern wollen. Und Fahrer Hans Schmidt legt erst zwischen Weihnachten und Neujahr einen längeren Skiurlaub ein.Siegfried Fuchs



Anmerkung hinzufügen