Schwaiger Grüne schicken Brunner ins Rennen

SCHWAIG — Nun schicken auch die Grünen einen Kandidaten in das Rennen um das Bürgermeisteramt in Schwaig: Der 47-jährige blinde Paul Brunner, gelernter Sozialpädagoge und früherer Kreis- und Bezirksrat, tritt bei der Wahl am 11. März an.
„Ich bin lernbereit und will auf die Menschen offen zugehen“, sagt Brunner zu seiner Kandidatur. Diese Aussage gilt aber auch, wenn es um seine Behinderung geht. „Die Leute können jederzeit auf mich zukommen, wenn sie genauer wissen möchten, wie die Arbeit eines blinden Bürgermeisters aussehen könnte“, sagt der 47-Jährige.
„Mein Handicap ist natürlich eine Herausforderung“, gibt er offen zu, „aber ich will mich auch nicht kleiner machen, als ich bin.“ So brauche er zum Beispiel einen blindengerechten Arbeitsplatz, außerdem sei er mehr als andere auf die Zuarbeit und Assistenz der Rathausmitarbeiter und des Gemeinderates angewiesen. „Aber genau darin liegt auch eine Chance für einen partnerschaftlichen Politikstil“, glaubt Brunner, eine intensivere Zusammenarbeit, in die sich auch andere einbringen können.
Wie gut das funktionieren kann, weiß Brunner aus seiner langjährigen Erfahrung als Kreis- und Bezirksrat sowie als Mitglied in verschiedenen Gremien. Eines möchte er aber definitiv: „Ich will nicht gewählt werden, weil ich blind bin, sondern obwohl ich blind bin.“ Brunner will mit den vielen Themen überzeugen, die er in seinem Wahlprogramm hat.
Pläne für das Schlossareal
Eines davon ist die Zukunft des Schlossareals. Er freue sich, dass die beiden Mitbewerber um das Bürgermeisteramt, amtierende Bürgermeisterin Ruth Thurner (FWG) und CSU-Gemeinderat Werner Simon, die Verwirklichung eines Gemeindezentrums oder Mehrgenerationenhauses im Bereich des Schlosses nun auch zum Thema machten. Die Grünen hätten bereits im letzten Wahlkampf hierzu eine Ideenwerkstatt veranstaltet und in den Folgejahren immer wieder nachgehakt, wann mit einer Realisierung begonnen werde.
Bürger mit einbeziehen
„Wir wollen die Bürgerschaft in die konkreten Planungen einbeziehen. Hier soll festgelegt werden, welche Funktionen das Schlossareal in Zukunft erfüllen soll“, sagte Brunner. Neben Wohnformen für ältere Menschen, die dort auch ambulante Betreuung erhalten, wünschten sich viele Schwaiger einen Ort für Begegnungen und ein lebendiges Zentrum, ist er überzeugt.
Die Gemeinde Schwaig mit ihren herausragenden Rahmenbedingungen bleibe bisweilen hinter ihren Möglichkeiten zurück, findet Brunner. Die gute Finanzlage dank überdurchschnittlicher Gewerbesteuereinnahmen verschaffe Schwaig Handlungsspielraum und kommunale Selbstbestimmung, wo bei anderen Kommunen der Rotstift mitregiere.
Die Schaffung einer Seniorenreferatsstelle, wie von Thurner vorgeschlagen, klinge interessant, so Brunner, allerdings wünsche er sich einen anderen Titel für diese hauptamtliche Person. Schließlich sollten sich alle Generationen angesprochen fühlen.
Die Gemeindeentwicklung erfordert laut Brunner mehr Fingerspitzengefühl und eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Bürgern. Die Haltung des Rathauses in der Auseinandersetzung um die Bebauung im Rainwiesenweg mache deutlich, dass die Gemeinde künftig einen Rahmen für Nachverdichtung setzen müsse. „Es kann nicht sein, dass Bauträger einerseits ihr Grundstück gänzlich von Bäumen befreien und dann mit den Bäumen in Nachbars Garten die besondere Lebensqualität ihrer Neubauten anpreisen“, gibt er zu bedenken. Die Fragen der Flächennutzung und der Wunsch nach Zuzug junger Familien bei hohen Bodenpreisen müssten im Zusammenhang gesehen werden.
Keine „Versiegelungspolitik“
Schwaig brauche als Stadtrandgemeinde genau die Lebensqualität, die andere mit ihrer „Versiegelungspolitik“ gefährdeten. Brunner plädiert für ein Programm, das die Ansiedelung junger Familien gezielt fördert. Hier sinnvoll investiertes Geld würde auch die teuer geschaffenen Kinder- und Bildungseinrichtungen stabilisieren, ist er sicher.
Bei der Nutzung regenerativer Energien sei ein Anfang gemacht, ihr weiterer Ausbau müsse nun zügig vorangetrieben werden. Nahwärmeversorgung und Kraft-Wärme-Kopplung seien nur zwei Stichworte. Im Rahmen der Aufstellung von Bebauungsplänen könne die Gemeinde Vorgaben machen, die dem Klimaschutz dienten und das regionale Handwerk stärkten.
Die Leiterin der Nominierungsversammlung und Vorsitzende der grünen Gemeinderatsfraktion, Irmingard Fritsch, dankte Brunner für seine motivierenden Worte und sicherte ihm die Unterstützung der Grünen zu.



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