Zorn nicht verraucht

NÜRNBERGER LAND — Der Zorn der Wirte ist noch längst nicht verraucht: Sie fürchten nach dem Volksentscheid, der das komplette Aus für Zigaretten in der Gastronomie besiegelt hat, um ihre Existenz, wie eine kleine Umfrage der PZ bei Kneipiers aus Lauf und Röthenbach ergab.
Dieter Quast ist stocksauer. „Ich habe die Schnauze gestrichen voll“, bricht es aus Röthenbachs Zweitem Bürgermeister heraus. Im August wird seine Kneipe, der „Quastler“, 25 Jahre alt, doch die Lust aufs Feiern ist Quast vergangen. 90 Prozent seiner Gäste sind Raucher, zuletzt lief der „Quastler“ deshalb unter der Bezeichnung „Raucherkneipe“: Quast durfte kein Essen mehr verkaufen und keine Jugendlichen unter 18 Jahren einlassen. Jetzt befürchtet er, dass er vielleicht ganz schließen muss. „Aber künftig kommen ja die ganzen Nichtraucher zu mir, und die vielen Senioren, die ich in den Wahllokalen gesehen habe, halten bei mir ihre Kaffeekränzchen ab“, meint Quast mit einer gehörigen Portion Sarkasmus.
Neben den Sorgen um die eigene Existenz treibt den SPD-Mann vor allem das Verhalten der CSU um. „Die haben ja nicht mal ihr eigenes Gesetz verteidigt.“ Er finde es außerdem sehr befremdlich, „dass die Menschen über selbst auferlegte Verbote jubeln“.
Ähnlich sieht das Narine Jeude, seit zwei Jahren Wirtin der „Linde“ in Lauf. „Man sollte die Leute selbst entscheiden lassen, ob sie in eine Kneipe gehen, in der geraucht wird, oder in eine, in der nicht geraucht wird“. Ihre Gäste auf ein Zigarettchen nach draußen zu schicken, hält sie für schwierig, „da stehen sie direkt an der Nürnberger Straße, wer möchte denn das?“ Die gebürtige Armenierin sorgt sich vor allem um das Lokal ihres Sohnes, das „Kirchplatzstübchen“ in Lauf. „Als die letzte Verschärfung kam, sind bei ihm die Gäste ausgeblieben“, erzählt sie.
In der kleinen Kneipe neben der Johanniskirche sitzt zur Mittagszeit eine Herrenrunde bei einem Bier – und eben der einen oder anderen Zigarette – zusammen. „Wie wir das mit dem Rauchverbot finden? Besch...“, sagt einer von ihnen und die anderen pflichten ihm energisch bei. Und selbst der einzige Nichtraucher am Tisch findet die Regelung „ziemlich überzogen“. Doch die Raucher seien wohl letztlich selbst schuld, dass es für sie so weit gekommen sei. „Viele sind zum Volksentscheid nicht hin, weil sie dachten, das ist eine Spinnerei, das geht eh nicht durch“, meint ein Gast.
Benny Simeonidis hätte gern gegen das Rauchverbot gestimmt ... doch der Chef des „Meistertrunk“ in Lauf ist Grieche. Bisher war sein Dart-Lokal in einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich unterteilt, jetzt muss er die Aschenbecher komplett wegräumen. „Es haben schon einige Gäste gesagt, dass sie nicht mehr kommen, aber was für eine Alternative habe ich denn?“, fragt der Wirt desillusioniert.
Frustriert und ziemlich skeptisch ist auch Bernd Keim, Betreiber des „Chill Club“ in Röthenbach. Nach der ersten Verschärfung des Rauchverbots registrierte er 40 Prozent Umsatzeinbußen. Die Folge: Er wandelte sein Lokal in einen Raucherclub um. Rein kam nur, wer eine Mitgliedskarte hatte. Damit ist ab August Schluss. „Die Gäste werden auf jeden Fall weniger. Die Leute werden wieder mehr privat zu Hause feiern, da können sie wenigstens machen, was sie wollen.“ Er rechnet außerdem mit Anwohnerbeschwerden, wenn die Gäste zum Qualmen vor die Tür müssen.
Nächstes Jahr der Hax’n?
Ratlosigkeit herrscht bei Beatrix Jacobsen vom Zeltbetrieb Schächtner. Die Familie betreibt unter anderem das Festzelt auf der Blumenfestkirchweih Ende August – eine der ersten Kirchweihen, wo Bierzelt-Besucher heuer auf die Zigarette verzichten müssen. Für die Einhaltung des Verbots ist der Festwirt verantwortlich, der notfalls auch die Strafe zahlt. „Wenn wir mehr Security anstellen, werden das Bier und das Essen im Zelt teurer und damit die Gäste weniger“, folgert Beatrix Jacobsen. Sie hofft, dass die Klage, die ein Kollege aus der Zeltbranche anstrebt, Erfolg hat, und ist ansonsten ziemlich bedient: „Jetzt wird das Rauchen verboten und nächstes Jahr vielleicht der Hax’n, weil er zu fett ist.“
Doch wer kontrolliert das Rauchverbot überhaupt? „Wenn die Polizei draußen Verstöße feststellt, muss sie einschreiten“, sagt Thomas Düssil, Sachgebietsleiter „Verbraucherschutz“ am Landratsamt. Dies sei aber bisher schon so gewesen. Auch Lebensmittelkontrolleure, denen bei ihrer täglichen Arbeit in Gaststätten Raucher auffallen, oder schlicht die Bürger selbst können dies melden. Das Landratsamt verschickt dann einen Ordnungswidrigkeits-Bescheid. Dass bei den Landratsämtern zusätzliches „Kontrollpersonal“ angestellt wird, glaubt Thomas Düssil aber nicht.
„Wir werden uns aber bei unserem Vorgehen eng mit anderen Landkreisen abstimmen.“ Prinzipiell habe es nach der letzten Verschärfung des Rauchverbots nur wenige Verstöße gegeben.




Wenn die Bevölkerung eines Landes "zu Faul" ist für ihre Rechte einzustehen, bekommt sie genau das was sie verdient.
Jedem dem dieser Entscheid sauer aufstößt und nicht bei der Wahl war, kann ich nur mit einem triumphierenden lächeln entgegnen:" Gschaid recht!".
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