Wasser ohne Ende




„So ein Hochwasser hatten wir zuletzt 1995“, erinnert sich Albert Britting und prüft noch einmal die Sandsäcke, die seine Haustür und die bodentiefen Fenster vor der dreckig-braunen Brühe schützen sollen, die langsam auf sein Haus zukriecht. Das steht direkt am Dorfplatz in Hedersdorf, auch wenn man den inzwischen nur noch erahnen kann. Die Schnaittach ist schon lange über ihre Ufer getreten und hat sich im Ortszentrum breit gemacht. „Man ist machtlos“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Wir können nur hoffen, dass das Wasser nicht mehr viel weiter steigt.“ Derweil waten Schwiegersohn Udo Plichta und Enkel Nick durch den überschwemmten Garten – auf der Suche nach dem Feuerwehrauto mit dem Blaulicht, dass der Kleine so gerne sehen möchte.
„2,51 Meter“, ruft ein Feuerwehrmann seinen Kollegen zu, der den aktuellen Pegelstand mit dem Ipad checkt. Normal sind in Schnaittach 1,35 Meter. „Und es soll noch bis heute Nacht weiter regnen“, fügt ein anderer hinzu. Viel mehr können die Feuerwehrleute für den Moment nicht tun. Die Straße durch Hedersdorf haben sie längst abgesperrt, mit dem Auto ist hier kein Durchkommen mehr. Zusammen mit dem Landkreis-Bauhof haben sie Schilder und Barken aufgestellt und winken ab, wenn der ein oder andere Autofahrer doch noch hofft, durch die Flut nach Hause zu kommen. „Wir haben schon Sandsäcke an die Anwohner verteilt, jetzt können wir nur noch warten.“
Warten, ob der Pegelstand weiter steigt und die ersten Keller und Wohnungen abgepumpt werden müssen, warten, ob der Regen endlich aufhört und warten, bis das Technische Hilfswerk die nächste Ladung Sandsäcke heran karrt. 1500 haben sie bis zum späten Nachmittag schon verteilt. Die Feuerwehrleute helfen, die Säcke fachmännisch zu kleinen Wällen aufzuschichten. „Jetzt ist auch in Rollhofen die Ortsdurchfahrt dicht.“
Auf dem Weg dorthin bietet sich der Blick auf eine Seenlandschaft. Der Fluss hat in Schnaittach sein Bett verlassen und sich den Platz verschafft, den er braucht. Nur noch ein paar Zentimeter liegen zwischen der braunen Brühe und der Brücke in der Bahnhofstraße. Wenn der Pegel weiter steigt, staut sich der Fluss hier zurück. Genau das ist in Rollhofen bereits der Fall. In der Brückenstraße ist der Durchlass bereits hoffnungslos überlastet. Das Wasser sucht sich schäumend andere Wege.
Hier treffen die Feuerwehrleute auf eine aufgeregte, aber dankbare Petra Büttner. Sie wohnt erst seit etwa einem Jahr in dem Haus am Fluss und ist froh, dass die Feuerwehrmänner sie unterstützen. Ihre Kollegen in Lauf hatten sie aus der Arbeit nach Hause geschickt, als sie hörten, dass auch in Rollhofen die Ortsdurchfahrt gesperrt ist. „Als ich hier angekommen bin, hatte die Feuerwehr zum Glück schon Sandsäcke aufgestapelt. Vorher stand das Wasser schon bis zur Treppe und ist in die Garage rein gelaufen.“ Das Hochwasserschott vor dem Eingangsbereich hält die größten Wassermassen, die den kompletten Obstgarten geflutet haben, zurück. Nur durch einige Ritzen tröpfelt es herein. „Ich habe jetzt alte Lappen reingestopft, das hält das Schlimmste ab.“
Auf der anderen Seite der Brücke über die Schnaittach wohnt Herbert Koller mit seiner Frau. Er kennt das Szenario schon aus früheren Jahren und hat deshalb vorgesorgt. „Wir haben eine Wasserpumpe im Keller und Drainagen gelegt. Das hält das meiste ab“, sagt er recht gelassen. Das THW liefert wieder neue Sandsäcke an und muss mit dem Lkw das Wasser durchqueren. Kleine Wellen klatschen gegen die Sandsäcke, die vor Herbert Kollers Einfahrt aufgestapelt sind.
„Es ist zwar nicht schön, aber wir wollen uns gar nicht beschweren“, erklärt Koller, „wenn man sich mal die Bilder aus Koblenz oder Wertheim anschaut ...“. Sorgen bereitet nicht nur ihm der viele Schnee, der im Oberland, in Osternohe oder Hormersdorf, noch liegt, jetzt dahinschmilzt und die Lage noch verschärfen könnte.
„2,52 Meter“, ruft einer der Feuerwehrmänner. Damit ist in Schnaittach zumindest für diesen Tag der vorläufige Höchststand erreicht und die Anwohner können durchatmen. Doch Entwarnung gibt es im Nürnberger Land noch lange nicht. Jetzt können die Ottensooser, Laufer und Schwaiger dabei zusehen, wie die Fluten quasi stündlich steigen. Bei Redaktionsschluss sind in Lauf 5,48 Meter (normal sind 2,30 Meter) und damit Warnstufe drei erreicht.




Anmerkung hinzufügen