Blank polierte Flitzer

NÜRNBERGER LAND – Fast war es wie damals beim legendären „Berg“: Unzählige Zuschauer säumten die Strecke hinauf zum Deckersberg, während die nervösen Fahrer die Motoren an der Startlinie aufheulen, dröhnen, knattern, tuckern, gluckern und röhren ließen. Echtes Berg-Feeling kam aber vor allem auf, weil Boliden aus früheren Rennen zum 10. historischen Happurger Bergpreis die Riege der rund 140 Young- und Oldtimer bereicherten.
Bereits am Morgen herrschte reger Betrieb im Fahrerlager im Happurger Bauhof: Fahrer und Mechaniker machten ihre fahrbaren Untersätze für das Training fertig, während erste Schaulustige und Auto-Liebhaber durch die Reihen blank polierter Raritäten flanierten. Porsche, NSU, Fiat Abarth, Käfer, Opel, Steyr Puch und flache Formelrenner funkelten in allen Farben und Formen in der Sonne.
Unter all den automobilen Schönheiten hatte sich aber zum Geburtstag des Revivals eine ganz besondere Kostbarkeit versteckt: Etwas abseits, geschützt von einem Pavillon, lag knapp über dem Asphalt ein Auto von schlichter Eleganz, einer von nur zwei existierenden BMW 700 RS. „Es ist ein tolles Gefühl, mit einem Wagen zu fahren, der in den 1960ern extra für Bergrennen gebaut und von damaligen Stars wie Alexander von Falkenhausen gelenkt wurde“, strahlte der Pilot Jörg Weidinger.
Zwei Jahre wurde das Museumsstück nicht bewegt, daher haperte es zunächst etwas mit dem Gasabzug der spartanisch ausgestatteten Rarität - Sicherheitsgurte? Fehlanzeige! „Man muss sich am Lenkrad festhalten“, erklärte der Berg-Europameister aus Happurg, der den silbernen Flitzer dann natürlich „artgerecht bewegte“.
Noch mehr Tradition hatte Jürgen Kressel aus Ansbach mit seinem weiß-blauen BMW dabei: Er startete 1990 beim letzten Bergrennen mit der Nummer 140 und ging nun beim Jubiläum des heutigen Gleichmäßigkeitswettbewerbs mit Originallackierung und dem Startnummernaufkleber von damals auf den 3,4-Kilometer-Kurs. „Da kommen schon Erinnerungen hoch“, gestand Kressel. Zwei gleiche Zeiten werde er aber nicht schaffen. Die Stoppuhr war kaputt. „Aber es geht ja um den Spaß.“
Den hatten auch die rasenden Politiker Robert Ilg und Armin Kroder. Am Lenkrad ihres Opels mit grünem Velours-Interieur, in dem das „Flair eines 70er-Jahre Wohnzimmers weht“, wie Landrat Kroder mit einem Augenzwinkern feststellte, wechselten sie sich ab. „Das macht zwei gleiche Läufe natürlich schwierig“, bekannte Ilg, auf dessen Wahlsieg-Party die Idee zur Teilnahme entstanden war. „Aber wir haben uns akribisch vorbereitet“, grinsten beide.
Das galt nicht nur für die Fahrer, sondern auch für die mehr oder weniger in die Jahre gekommenen Autos. Zwischen den Läufen wurde an offenen Heck- und Frontklappen getüftelt und repariert. Die beste Kombination aus Abstimmung und Zeitgefühl hatte Johannes Thäter aus Engelthal, der im Ford Escort RS 2000 nur 0,013 Sekunden Unterschied zwischen seine Rennen setzte.
Über drei Sekunden dagegen trennten die beiden Auftritte von Elia Erhart. Die Vorbereitungen an seinem aufgebockten Seat Leon faszinierten die Zuschauer. „Ich wollte zum Zehnjährigen etwas Besonderes mitbringen“, erklärte der Nachwuchsrennfahrer, der in der DTM-Rahmenserie Seat Leon Supercopa für den AC Hersbruck startet.
Beschleunigt hat der Bolide zwar wunderbar, aber „durch die engen Schikanen musste ich im ersten Gang durchtuckern.“ Immerhin räumte er nicht, wie einige andere Rennlustige, die Strohballen ab.
Die Aufgabe „Gleichmäßigkeit“ meisterten die Oldtimer meist besser als die ganz flotten Flitzer, so zum Beispiel der BMW Dixi aus den 1920ern. Er war – stilecht für den Sonntagsausflug mit Köfferchen und dem Lied „Ein Freund, ein guter Freund“ ausgerüstet – einer der Hingucker. Ein „Long Nose“ Fiat Abarth 2000 OT, ein rechtsgelenkter Ginetta oder ein Abarth mit Periskop boten neben Ohren- auch Augenschmaus. Auf Stammgast Erich Rostek und sein Mitbringsel warteten die Fans vergebens: Er konnte krankheitsbedingt nicht mit seinem Formel 3000 anreisen.
Für ein bisschen Rennfeeling sorgten die zahlreichen Motorräder, denn beim Doppelstart lieferten sich einige mit dem Aufheulen des Motors ein Vorabduell. Während etliche Maschinen, deren Fahrer teils zu groß dafür wirkten, davonsausten, ließen es andere ganz dem historischen Motto entsprechend langsam angehen. ap
Auszüge der Ergebnisliste: 1. Jürgen Taubenreuther (Köditz, mit Audi) 1. Zeit: 2:19,711, 2. Zeit: 2:19,681; 2. Christoph Schertlin/ Fee Kandel (Schwaig/Roth, Austin) 2:36,027, 2:36,058; 3. Christian Waasner/ Dr. Guenther Hammer (Forchheim, Lancia) 2:36,308, 2:36,358, 15. Philip Ring/ Dominic Clement (Radolfszell/Leinburg, Ferrari) 2:23,183 2:22,765, 36. Bernd Pöllmann (Feucht, Aermacchi) 1:55,594, 1:54,787; 100. Fritz Hofmann (Altdorf, Scott) 2:17,235, 2:20,345, 102. Hans-Erich Reif (Diepersdorf, MZ) 2:48,462, 2:44,806.


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